«Früher war alles besser» – oder doch nicht? Zwischen Dauerkrisen und Negativschlagzeilen verlieren wir leicht den Blick fürs Ganze. Zeit, herauszuzoomen und zu fragen: Was können wir tun, um seelisch gesund zu bleiben?
Kommentar von Severin Kolb, Marketing & Kommunikation
Der 10. Oktober ist Welttag der psychischen Gesundheit. Ein Datum, das uns daran erinnert, wie wichtig es ist, nicht nur auf unseren Körper, sondern auch auf unsere seelische Verfassung zu achten.
Und das ist gar nicht so einfach: Ob Zeitung, Social Media oder Push-Benachrichtigungen: Schlechte Nachrichten sind allgegenwärtig. Es Überrascht nicht, dass immer mehr Menschen das Gefühl haben, die Welt stehe kurz vor dem Abgrund.
Das ist kein Zufall, sondern wissenschaftlich erklärt: Unser Gehirn reagiert stärker auf Negatives als auf Positives – ein Überlebensmechanismus aus längst vergangenen Zeiten. Heute führt dieser «Negativity Bias» dazu, dass wir uns in Endlosschleifen schlechter Nachrichten verlieren. Und das kann belasten: nicht nur ein bisschen, sondern spürbar.
War früher alles besser?
Immer wieder taucht die Vorstellung auf, die Welt sei früher ruhiger und weniger von Krisen geprägt gewesen. Aber hält diese Sehnsucht nach «besseren Zeiten» einer genaueren Betrachtung stand?
Schlechte Nachrichten gab es schon immer: Wirtschaftskrisen, Verbrechen und Naturkatastrophen. Der Unterschied: Heute erreichen sie uns in Echtzeit, rund um die Uhr, aus allen Ecken der Welt.

Ohne die Herausforderungen unserer Zeit herunterspielen zu wollen, kann somit gesagt werden: Die Zeitungen waren schon immer voll von schweren Geschichten. Nur sind sie uns früher vielleicht nicht so nahe vorgekommen.
Wenn wir jedoch einen Schritt zurücktreten, erkennen wir: Die Menschheitsgeschichte ist nicht nur eine Abfolge von Katastrophen. Es gibt Fortschritt, Solidarität, Heilung. Nur schaffen es diese Geschichten selten auf die Titelseite.
Sieben Schritte, die einen Unterschied machen können
Die Wahrheit ist: Wir können nicht alles kontrollieren. Aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen – und welchen Einfluss wir auf unser Umfeld haben.
- Nachrichten bewusst dosieren – Einmal am Tag reicht oft.
- Quellen prüfen – Nicht jeder Alarm ist echt oder wird im richtigen Kontext präsentiert.
- Gutes suchen – Es gibt auch positive Nachrichten zu konsumieren, zum Beispiel auf goodnews.eu. In traditionellen Medien die Augen offenhalten!
- Freundlich sein – Wir können versuchen, die Welt um uns jeden Tag ein wenig besser zu machen. Ein Lächeln, ein offenes Ohr, ein ehrliches «Wie geht’s dir?» wirken Wunder.
- Haltung zeigen – Gegen Hass, Rassismus und Ungerechtigkeit die Stimme erheben.
- Aktiv werden – Sich in Organisationen einsetzten, diese mit Spenden unterstützen oder an Demonstrationen teilnehmen.
- Positiv bleiben – Es ist Okay zu glauben, dass alles gut wird. Niemand kennt die Zukunft, auch Expert:innen nicht. Trotzdem tragen wir als wohlhabende Weltbürger eine individuelle Verantwortung, zum Beispiel unseren Konsum für das Klima einzuschränken.
Zwischen Termindruck und Dauererreichbarkeit
Bewusster Medienkonsum ist ein wichtiger Schritt, um die eigene mentale Balance zu schützen – aber er ist nicht der einzige. Denn psychische Belastungen entstehen nicht nur durch Schlagzeilen.
Unser Alltag selbst kann zur Herausforderung werden: ständiger Termindruck, beruflicher Stress, finanzielle Sorgen, familiäre Konflikte, Einsamkeit oder das Gefühl, permanent erreichbar sein zu müssen. All das sind Risikofaktoren, die unsere seelische Widerstandskraft schwächen können.

Psychische Erkrankungen sind deshalb keine Randerscheinung. Sie können jeden treffen. Trotzdem ist das Thema oft mit Scham behaftet.
«Reiss dich zusammen» – diesen Satz hören wir nicht nur von anderen, sondern wir sagen ihn auch zu uns selbst. Doch manchmal sollten wir innehalten und unsere Empfindungen ernst nehmen.
Über Psyche sprechen
Es ist okay, Hilfe zu suchen. Es ist okay, nicht okay zu sein. Und es ist wichtig, darüber zu sprechen. Am Welttag der psychischen Gesundheit sowieso. Manchmal ist es ein vertrauter und nahestehender Mensch, der zuhört. Manchmal ist es eine professionelle Anlaufstelle wie eine Psychologin.
Eine professionelle Unterstützung kann dann sinnvoll sein, wenn die Probleme sich nicht auflösen und uns immer wieder begegnen. Oder wenn man sich im Umfeld nicht gesehen oder verstanden fühlt.
Entscheidend ist aber sowieso, dass wir einen Ort haben, an dem wir ehrlich über unser Wohlbefinden sprechen können. Und am besten nicht erst, wenn die Probleme so gross sind, dass sie uns erdrücken.
Zum Schluss: Ein geschenkter Moment
Wir möchten an dieser Stelle alle Lesenden einladen, an diesem Tag der psychischen Gesundheit innezuhalten und sich eine einfache, aber wichtige Frage zu stellen: Wie geht es mir?
Das Leben ist laut und fordernd – da bleiben die stillen Gedanken oft auf der Strecke. Nimm dir einen Augenblick, um hinzuspüren. Vielleicht ist es ein Gespräch, das du suchst. Vielleicht ein Wochenende ohne Termine. Vielleicht aber auch einfach ein tiefer Atemzug.
Psychische Gesundheit beginnt nicht erst in der Therapie. Sie beginnt im Alltag – bei dir, bei mir, bei uns allen.
Viel Liebe, passt auf euch auf.
Hilfsangebote in der Schweiz
- Dargebotene Hand, Telefonseelsorge (143) – rund um die Uhr, anonym und kostenlos
- Pro Mente Sana – Beratung und Informationen: www.promentesana.ch
Severin Kolb, Vivazzo Marketing & Kommunikation
Informationen zur Vivazzo Stiftung finden Sie hier.