Von PrA zur EFZ: «Man muss an sich selbst glauben und braucht die richtigen Leute»

25.08.2026 | Blog >

Sieben Jahre lang lebte Roger Fässler in der Wohngruppe Linde und absolvierte im Vivazzo Hauswart-Team seine ersten beiden Ausbildungen. Nun hat er auch das EFZ als Fachmann Betriebsunterhalt bestanden und beginnt einen neuen Lebensabschnitt. 

Dass Roger einmal ein Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis in den Händen halten würde, hätten ihm früher nicht alle zugetraut. «In der Oberstufe sagte man mir, dass ich nichts hinbekommen würde», erzählt er. Davon liess er sich jedoch nicht aufhalten. 

Roger absolvierte die ersten beiden Ausbildungen im Vivazzo Hauswart-Team. Zunächst schloss er dort nach zwei Jahren die Praktische Ausbildung PrA mit der Note 5,5 ab. Seine Bezugspersonen ermutigten ihn daraufhin, die EBA-Ausbildung anzuhängen. Auch diese absolvierte er im Hauswart-Team und schloss sie mit der Note 5,2 erfolgreich ab.

Plötzlich EFZ 

Danach sei sein damaliger Berufsbildner Pascal Gadola auf ihn zugekommen und habe gesagt: «Komm, jetzt machen wir das EFZ.» Da diese Ausbildung nicht in der Vivazzo Stiftung angeboten werden konnte, wechselte Roger zu Phonak nach Stäfa. Dort absolvierte er die dreijährige Ausbildung zum Fachmann Betriebsunterhalt EFZ. Sein Abschlussresultat: die Note 5,3. 

«Vor dem EFZ dachte ich mir: Komm, probieren können wir es ja.» Heute ist Roger erleichtert und stolz. «Ich habe mir selbst bewiesen, dass ich etwas erreichen kann, auch wenn einige daran gezweifelt haben.»

Die richtigen Menschen an seiner Seite 

Was Roger während seinen Ausbildungsjahre angetrieben hat, weiss er genau: «Das Geheimnis war mein Durchhaltewille und der Wille, selbst etwas zu erreichen.» 

Genauso wichtig seien aber Menschen gewesen, die ihm etwas zugetraut und ihn ermutigt hätten. «Man braucht die richtigen Leute um sich. Wenn dich Menschen unterstützen und auch einmal pushen, kommst du mit dem richtigen Willen vorwärts.» Diesen Rückhalt habe er unter anderem in der Wohngruppe Linde und im Hauswart-Team erhalten. 

Lieber anpacken als stillsitzen 

Der Beruf des Fachmanns Betriebsunterhalt passt gut zu Roger. «Ich werkle gerne und packe mit an. Von Heizungen über Grünpflege bis zu Wartungen mache ich alles gerne.» 

Ein Schulmensch sei er jedoch nicht: «Die Schule war für mich eher Mittel zum Zweck. Aber ich bin trotzdem gerne gegangen.» Die theoretischen Inhalte wurden von EBA zu EFZ immer anspruchsvoller. Teilweise habe er dafür viel büffeln müssen. Gute Klassenkamerad:innen hätten ihm jedoch geholfen, durchzuhalten. 

Vermissen werde er die Schule trotzdem nicht. Roger freut sich darauf, sein Wissen nun in der Arbeitswelt einzusetzen.

Ein neuer Lebensabschnitt 

Mit dem EFZ-Abschluss endete auch Rogers Zeit in der begleiteten Vivazzo Wohngruppe Linde, welche nun nicht mehr von der IV finanziert wird. Nach sieben Jahren zog er zurück zu seiner Mutter. «In der Wohngruppe konnte ich viel lernen. Ich weiss heute, dass ich auch selbständig wohnen kann.» Die aktuelle Lösung stimme aber für ihn zurzeit.  

Bei Phonak hätte er bleiben können. Roger entschied sich jedoch bewusst dafür, noch einmal etwas Neues zu suchen. «Ich möchte nicht immer im gleichen Gebäude sein, sondern lieber an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Liegenschaften arbeiten.» 

Zuerst wird er sich jetzt eine kleine Pause gönnen, seine Cousine auf der Alp besuchen. Auch seinem geliebten Hobby Autocross möchte er etwas Zeit widmen, sei es beim Fahren oder beim Schrauben am Rennauto. Dann beginne er mit dem erneuten Bewerben. Dabei ist sein Ziel klar: möglichst selbständig im Leben zu stehen.

«Glaubt an euch selbst» 

Menschen, die in der Schule gehört haben, aus ihnen werde nichts, möchte Roger vor allem eines mitgeben: «Glaubt an euch selbst und holt auch andere Meinungen ein.» 

Entscheidend sei, die eigenen Ziele zu verfolgen und etwas zu wählen, das einen wirklich interessiert. «Wenn man eine Ausbildung nur macht, weil das Umfeld es will, wird es schwierig. Man sollte seinen eigenen Weg verfolgen. Man hat viele Möglichkeiten und ist nie in einer Sackgasse. Es geht immer wieder eine Tür auf, durch die es weitergeht.» 

 

Severin Kolb, Marketing & Kommunikation 

 

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