Mein Tag in der Biogärtnerei

02.10.2025 | Blog >

Es ist noch dunkel, als ich mich auf den Weg nach Fehraltdorf in unsere Biogärtnerei mache. Vor dem Aufenthaltsraum sitzt Reto und spielt Gitarre. Er hat schon tausende Stunden Material aufgenommen und entwickelt seine musikalische Welt immer weiter. Bei der Biogärtnerei ist er schon über zwanzig Jahre. Ich hingegen noch keine Stunde. Mein erster Tag steht mir erst noch bevor.

Normalerweise arbeite ich in der Geschäftsstelle der Vivazzo Stiftung und bin dort für das Fundraising verantwortlich. Ich suche Geld, weil die Stiftung nicht alle Kosten für die Bereitstellung ihrer vielfältigen Angebote durch eigene Erträge und Beiträge der öffentlichen Hand finanzieren kann. Doch heute mache ich einen Seitenwechsel. Ich arbeite für einen Tag in einem unserer Betriebe: der Biogärtnerei.

Die Vivazzo Stiftung ermöglicht ihren Fachmitarbeitenden dies nicht nur, sie ermuntert sie aktiv dazu. Durch den Seitenwechsel soll ein Verständnis für die unterschiedlichen Sichten in unserem Betrieb entstehen. Heute erweitere ich meine Sicht um das Blickfeld der Gärtnerei. Um 7:30 Uhr versammeln sich alle Mitarbeitenden in einem grossen Kreis vor dem Schopf. Christian Eichholzer, der Gesamtleiter der Gärtnerei, hält eine kurze Ansprache und das Tageswerk wird angesagt. Heute muss viel geerntet werden. Der Herbst steht vor der Tür, einzelne Parzellen müssen bereits umgegraben werden, und zudem ist morgen Markt in Uster. Dafür braucht es frisches Gemüse.

Zusammen mit Reto ernte ich Lauch. Zu Beginn rutsche ich an den glitschigen Stängeln oft ab. Reto ist geübt. Ich merke ihm seine jahrelange Erfahrung an. Mit der Zeit geht es auch bei mir. Ich weiss, wo ich die Stängel halten muss und wie ich ziehen muss, damit sie sich schadlos aus dem Boden lösen. Am Ende haben wir vier Kisten Lauch geerntet. Weiter geht es mit Bohnen, grünen und bunten. Mit Blüten. Und später noch mit Tomaten und russischen Gurken, die ein wenig aussehen wie Netzmelonen. Es ist eine strenge, aber befriedigende Arbeit. Ich freue mich an den Kistchen, die sich füllen. Ich sehe, was ich tat. Gleichzeitig sehe ich auch, wie viel nötig ist, damit ein gutes Stück Gemüse auf unserem Teller landet. Das, was ich heute mache, ist nur einer von vielen Arbeitsschritten. Von der Aufzucht bis zum Verkauf braucht es viele Arbeitsstunden.

«Mehr als Bio machen wir», erklärt mir Axel, der designierte Leiter der Biogärtnerei. «Eigentlich verlangen wir viel zu wenig dafür.» Als ich später, zusammen mit einer Klientin, die bestellten Gemüsekisten für den Markschwärmer in Uster vorbereite, verstehe ich, was er meint. Die Frankenbeträge wirken sehr klein, wenn man gerade einen Eindruck von der Arbeit gewonnen hat.

Während der Arbeit, den Pausen und dem Mittagessen, plaudere ich mit Klientinnen und Klienten sowie Fachpersonen. Sie erzählen von ihrem Leben, ihrer Arbeit. Auch dafür ist der Seitenwechsel da, um Menschen in unserer Stiftung kennenzulernen. Ihre Sorgen, ihre Freude. An diesem Tag überwiegt klar die Freude. Die Stimmung ist gut.

Für mich ist die Arbeit ungewohnt. Ich spüre den Rücken. Abends bin ich hundemüde. Etwas hat die Gartenarbeit mit dem Fundraising gemein. Es braucht eine konstante Arbeit. Die Früchte, von dem, was man sät, sieht man erst viel später. Es braucht viel Geduld.

Ich danke der Stiftung, dass ich diesen Seitenwechsel machen durfte. Und ich danke dem ganzen Gärtnerei-Team, dass sie mich für einen Tag so geduldig und nett aufgenommen haben.

 

Daniel Fehr, Vivazzo Marketing & Kommunikation

 

Informationen zur Vivazzo Biogärtnerei finden Sie hier.