Eine grosse CNC-Maschine kam für unsere Holzmanufaktur lange nicht infrage. Heute steht eine kleine in der Werkstatt und hat doch bereits einen grossen Effekt.
Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine etwas futuristische Spielkonsole. Doch die Maschine «Shaper Origin» ist mehr als das: eine CNC‑gesteuerte Oberfräse, die von Hand geführt wird und dabei digital unterstützt. Auf dem Bildschirm sieht man die Form, die gefräst werden soll. Die Maschine hilft, auf der Linie zu bleiben, gleicht kleine Ungenauigkeiten automatisch aus und verbindet so Handarbeit mit hoher Präzision. «Man führt die Maschine selbst», erklärt Emanuel, Fachperson Holzmanufaktur, «aber sie denkt ein Stück weit mit.»

Mit CNC habe man sich schon länger auseinandergesetzt, erzählt er. «Grundsätzlich haben viele Schreinereien eine CNC. Die ist oft stationär, gross und extrem genau.» Für die Holzmanufaktur sei das aber nie richtig stimmig gewesen. Eine solche Maschine wäre teuer, müsste ausgelastet werden und hätte Arbeiten übernommen, die heute von Klient:innen gemacht werden. «Dann hast du plötzlich CNC‑Experten, die nur noch an der Maschine stehen. Das war für uns keine Option.» Trotzdem sei klar gewesen, dass CNC der Werkstatt neue Möglichkeiten eröffnen würde. Gewisse Arbeiten hätten sie bisher sehr umständlich lösen müssen oder nicht machen können.
Die Shaper sei dann so etwas wie der passende Mittelweg gewesen. «Wir sind sie beim Händler anschauen gegangen, zusammen mit Gaudenz, zwei Mitarbeitenden vom zweiten Arbeitsmarkt und mir», erzählt Emanuel. Dort habe schnell das Gefühl geherrscht: Das ist innovativ und vergleichsweise einfach zu bedienen. Kurz darauf fiel der Entscheid für den Kauf.
Emanuel habe sich danach intensiv ins Thema eingearbeitet, Videos geschaut, ausprobiert und geplant. «Und dann ging es los. Wir haben angefangen, einen Arbeitsplatz um den Shaper herum zu entwickeln und Dinge zu kreieren.» Von Anfang an seien Klient:innen involviert gewesen. Der Arbeitsplatz sei die Grundlage gewesen, um überhaupt fräsen zu können. Zwei Mitarbeitende vom zweiten Arbeitsmarkt, Simon und Alex, waren besonders stark in die Entwicklung eingebunden und hätten sich schnell viel Wissen angeeignet, sowohl im Planen wie auch in der Ausführung. Emanuel sagt lachend: «Die zwei haben mittlerweile mehr Wissen als die meisten Fachpersonen bei uns. Sie waren Teil des Entwicklungsteams und haben grossen Spass an der Arbeit am Shaper.»
Auch im Alltag habe sich schnell gezeigt, wofür die Maschine gut ist. Mit der Shaper lassen sich zum Beispiel Gravuren, Schriften, präzise Ausschnitte oder Fräsungen für Boxen und Beschläge umsetzen. «Wir konnten Aufträge annehmen, die vorher nicht möglich gewesen wären», sagt Emanuel. Für die Gewerbemesse haben sie beispielsweise eine Werbung aus Holz gefräst. «Das hätten wir früher entweder gar nicht gemacht oder der Aufwand wäre viel zu gross gewesen.» Es sei zwar immer noch Arbeit, aber nun machbar. Ein weiterer aktueller Auftrag sind hochwertige Holzboxen, in denen USB-Sticks mit Aufnahmen von Lebensgeschichten verpackt werden. Zudem haben sie auch Displays für Gesundheitsprodukte gefräst, welche in einer Drogerie verwendet werden. Die anfangs nicht ganz unumstrittene Fräse sei heute praktisch täglich im Einsatz

Am wichtigsten ist für Emanuel aber nicht nur das Ergebnis, sondern der Prozess. Er sagt, man könne klar von einer Erfolgsgeschichte sprechen, weil die Maschine Teilhabe ermöglicht und Mitarbeitende so stark eingebunden sind. Das findet auch Alex und ergänzt: «Die Arbeit am Shaper hilft mir zum Beispiel auf einer «Problemlöse-Ebene» gefordert zu sein.» Für die Zukunft sei das Ziel, dass Simon und Alex ihr Wissen weitergeben. «Sie sollen andere Klienten schulen, damit der Kreis grösser wird.» So bleibe die Maschine nicht Expertenwissen vorbehalten, sondern Teil der gemeinsamen Arbeit.
Severin Kolb, Marketing & Kommunikation
Informationen zum Vivazzo Holzmanufaktur finden Sie hier.