Seit dem Spätsommer dürfen unsere FaGe- und FaBe-Lernenden jeweils einen Nachmittag in der Apotheke Altorfer beim Bahnhof Rüti mitarbeiten. Mit den gewonnenen Einblicken soll das Verständnis für den Weg der Medikamente gefördert werden.
In der Apotheke Altorfer direkt beim Bahnhof Rüti herrscht gegen 16 Uhr reges Treiben: Kunden beraten, Medikamente richten, Rezepte kontrollieren. Und mittendrin Lynn Odermatt, Lernende im ersten Lehrjahr zur Fachfrau Gesundheit (FaGe) aus dem Vivazzo Wohnhaus Birkenhof.
«Heute Nachmittag sehe ich in der Apotheke, wie alles mit den Medikamenten abläuft. Wo sie herkommen und wo sie hingehen. Es ist sehr interessant», erzählt Lynn. Für einen Nachmittag tauscht sie ihren gewohnten Arbeitsplatz mit dem einer Apotheke, ein Seitenwechsel.
Martina Haug, eidg. dipl. Apothekerin FPH, trägt an diesem Tag die Verantwortung in der Apotheke. Sie erklärt: «Die Lernenden aus den Wohnhäusern kennen oft nur die letzten Schritte im Medikamentenprozess. Bei uns sehen sie den ganzen Prozess: Anlieferung der Medikamente, Einbuchen ins elektronische System, Verstauung im Lager, Bestellungen durch Kund:innen, Bereitstellung der Medikamentenbestellungen und Auslieferung.
Solche Einblicke würden das Verständnis für die Abläufe stärken, meint sie. Und sie beobachtet: «Fragen wie – Warum muss ich das schriftlich bestellen?‘ – machen nach dem Seitenwechsel plötzlich viel mehr Sinn.»
Lernen im echten Alltag
Lynn erzählt ruhig: «Bis jetzt haben wir Medikamente von Kundenbestellung aussortiert, beschriftet und zum Abholen/Ausliefern bereitgestellt. Da ich im ersten Lehrjahr bin, hatte ich vorher weder in der Berufsschule noch im Wohnhaus gross mit Medikamenten zu tun. Es ist also vieles neu für mich.»
Trotzdem wirkt sie nicht fremd in der Apotheke – vielleicht auch, weil sie schon einmal in einer Drogerie geschnuppert hat. «Die Arbeit im Wohnhaus hat mir aber besser gefallen, darum habe ich mich für diese Lehrstelle entschieden.»
Haug erklärt, dass die externen Lernenden wie Lynn ganz selbstverständlich in den Alltag eingebunden werden: «Sie laufen mit, arbeiten mit unseren Lernenden zusammen und können jederzeit Fragen stellen.» So entstehe ein natürlicher Austausch auf Augenhöhe.
Gemeinsam lernen, gemeinsam wachsen
Auch die Lernende im dritten Lehrjahr zur Fachfrau Apotheke, welche an diesen Nachmittag von Lynn begleitet wird, findet den Seitenwechsel eine gute Sache: «Ich zeige gerne Lernenden aus anderen Bereichen unsere Arbeit. Es macht mir Spass.»
Zusammen holen sie Medikamente aus dem Lager, räumen ein, füllen auf und tauschen dabei stetig Wissen aus. Martina Haug sieht in diesen Begegnungen einen echten Mehrwert: «Der Austausch fördert das gegenseitige Verständnis. Und wir machen durchwegs gute Erfahrungen mit den Seitenwechseln – die jungen Leute sind motiviert und interessiert.»
Der Seitenwechsel sei nicht nur ein Projekt mit der Vivazzo Stiftung, sondern finde auch mit anderen Institutionen statt. «Es ist eine Horizonterweiterung für beide Seiten.» So dürfen auch die Lernenden der Apotheke für einen Seitenwechsel in andere Bereiche arbeiten gehen.
Ein spannender Tag für Lynn mit Nachwirkungen: neues Wissen, neue Perspektiven – und vor allem mehr Verständnis für das, was hinter den Kulissen passiert.
Severin Kolb, Marketing & Kommunikation
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