Digitale Teilhabe: Mehr als W-Lan

16.10.2025 | Blog >

Digitalisierung ist längst Alltag. Wir shoppen online, streamen, chatten – und erwarten, dass alles jederzeit funktioniert. Klingt super. Ist es auch. Aber eben nicht für alle gleich. Zwei aktuelle Studien zeigen: Menschen mit Beeinträchtigungen sind online, oft genauso selbstverständlich wie alle anderen. Die digitale Teilhabe-Kluft innerhalb der Gruppe von Menschen mit Beeinträchtigung ist jedoch gross. Für körperliche oder sensorische Beeinträchtigungen gibt es längst digitale Hilfsmittel. Für psychische oder kognitive Einschränkungen dagegen fast nichts: Von 157 untersuchten Technologien in den Studien adressierten nur 18 diese Gruppen. Das ist ein deutliches Signal: Hier fehlt noch einiges.

Technik allein reicht nicht

Die Studien zeigen: Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen wünschen sich einfache Zugänge, verständliche Inhalte und jemanden, der sie nicht allein lässt. Und gerade der letzte Punkt scheint Stiftungen wie uns zu adressieren. Was einfach klingt, ist bei genauerer Überlegung aber erstaunlich kompliziert. Fachkräfte Betreuung sind keine IT-Profis und die Belastung im Bereich der Pflege eh schon hoch. Weiter wird in Zeiten von persönlichen Logins und Zwei-Faktor-Authentifizierung Hilfe schnell kompliziert. Wer darf sich wo für wen einloggen? Hinzu kommt: Das Netz schläft nicht, eine enge 24h Begleitung ist fast nicht machbar.

Und die Risiken sind real: Unbedachte Uploads, Phishing und verbotene Inhalte sind nur einen Klick entfernt. Eine agogische IT-Anlaufstelle wäre eine mögliche Lösung, welche Fachkräfte sowie Klientinnen und Klienten entlasten könnte. Diese Stelle könnte beraten sowie unterstützen, Einstellungen in Apps kontrollieren und nach Updates über das neue Layout aufklären. Ohne erweiterte Befugnisse auf Passwörter etc. wäre aber auch dort Hilfe nur beschränkt möglich.

Mehr Zusammenarbeit und Ressourcen

Digitale Teilhabe ist also mehr als der einfache Zugriff auf WLAN. Sie muss bereits bei der Erstellung von Webseiten und Apps mitgedacht werden. In dieser Austausch-Ausgabe zeigen wir in unserer Rubrik «Schwerpunkt» auf, welche digitalen Hürden im Alltag unserer Wohnhäuser sichtbar werden. Eine Frage bleibt jedoch trotz der intensiven Auseinandersetzung mit dem Themengebiet offen: Was muss passieren, damit digitale Teilhabe für Menschen mit Beeinträchtigungen im Alltag besser gelingt? Klar ist: Es braucht mehr. Mehr Mut, um Neues auszuprobieren. Mehr Ressourcen, um Barrieren abzubauen. Mehr Zusammenarbeit, damit niemand auf der Strecke bleibt. Denn digitale Teilhabe ist kein Extra, kein Luxus. Sie ist die Grundlage dafür, dass alle mitreden, mitmachen und mitgestalten können.

 

Severin Kolb, Vivazzo Marketing & Kommunikation