30 Jahre Max Mojon in der Vivazzo: «Der Zusammenhalt in der Stiftung muss bleiben»

11.06.2026 | Blog >

Seit drei Jahrzehnten geht Max Mojon seinen Weg mit der Vivazzo Stiftung – ein Weg voller Wandel und Wachstum. Seine Geschichte ist ein Dankeschön an diese Zeit, die Freundschaften und die Begleitung – aber auch ein ehrlicher Blick darauf, was für ihn früher besser war als heute. 

 

Max beginnt seine Erzählung mit einem Schmunzeln: Er sowie die Stiftung seien sich bis heute nicht sicher, ob es nun 30 oder 32 Jahre sind. «Aber es ist lang. Sehr lang.» Als er damals, 1993, in den Birkenhof kam, war sein Leben an einem Tiefpunkt. Depressionen hielten ihn zuhause fest, die Jobsuche bestand nur aus Absagen, und obwohl er bereits 15 Jahre in der Schweiz lebte, konnte er kaum Deutsch. Eine nahestehende Begleitperson führte ihn durch drei mögliche Heime – und am Ende sagte eben diese Begleitperson zu Stiftungsgründer Ruedi Baumann im Birkenhof: «Der Bueb bleibt hier.» Im Birkenhof lernte Max Deutsch, fand wieder einen Job und erlebte zum ersten Mal seit Langem wieder Stabilität. Zunächst sei es für ihn nur eine Ort gewesen, an dem er nun halt vorübergehend sein müsse, sagt Max. Doch mit der Zeit wurde aus dem Birkenhof ein Zuhause.

 

Vom ersten Job zur beruflichen Konstante

Während seiner ersten Jahre arbeitete Max an unterschiedlichen Orten, doch im «Paradiesli», dem Bio-Hofladen in Hombrechtikon, blieb er dann 25 Jahre. 2007 gelang ihm etwas, das für ihn bis heute ein Schlüsselmoment bleibt: Er verliess die IV, wechselte in den ersten Arbeitsmarkt und erhielt einen regulären Lohn. «Unabhängig werden – das war mein Ziel.» Kurz darauf aber starb sein bester Freund. Äusserlich funktionierte er weiter, innerlich fiel vieles in sich zusammen, und die Ordnung in seiner Wohnung geriet ausser Kontrolle. Als der Vermieter die Wohnung sehen wollte, suchte Max Hilfe – und fand sie. Menschen aus der Stiftung, angeführt von Cornelia Epprecht, halfen ihm, alles wieder in Ordnung zu bringen. «Ich durfte während der Reinigung meiner Wohnung in der WG wohnen, essen – und ich habe nie eine Rechnung dafür bekommen. Das hat mich getragen.» Schritt für Schritt fand er zurück in sein stabiles Leben, begleitet von einer regelmässigen Wohnunterstützung, die für ihn bis heute wertvoll ist.

 

«Früher war man sich näher» – Max über Veränderungen

Wenn Max über die vergangenen Jahrzehnte spricht, schlägt seine Stimme einen ruhigeren Ton an, besonders wenn es um Veränderungen geht. «Ja, die Stiftung hat sich verändert. Und für mich nicht unbedingt ins Gute. Aber ich gebe der Stiftung keine Schuld – wirklich nicht. Die Schuld liegt bei den Behörden.» Er erinnert sich an eine Zeit, in der man mit dem Personal gejasst, Spiele gemacht oder am Wochenende Ausflüge unternommen habe. Heute, sagt er, sehe er viele Mitarbeitende fast nur noch im Büro. Lernen­de würden noch mitspielen, aber die restlichen Betreuenden hätten schlicht zu viel zu dokumentieren. «Sie müssen alles aufschreiben, festhalten, verrechnen. Die Bürokratie ist zu viel. Und die Zeit fürs Menschliche geht verloren.» Früher sei man sich näher gewesen, meint Max. «Heute müssen die Mitarbeitenden Abstand halten. Das war früher nicht so.» Die Veränderung sei systembedingt – und sie tue ihm manchmal weh.

 

Zukunftswunsch: Ich will bleiben

Für die kommenden Jahre wünscht Max sich nur eines: Er möchte bleiben. «Ich will bis zur Pensionierung bei der Vivazzo bleiben und danach gerne weiterarbeiten. Einfach etwas weniger. Vielleicht auch weiterhin im Birkenhof kochen.» Das Kochen sei etwas, das ihm Freude mache – und das weiterzugeben, bedeute ihm viel. Ebenso wichtig sei ihm der Kontakt zu den Bewohner:innen: «Das macht mir jedes Mal Freude. Ich freue mich wirklich jedes Mal.» Er hoffe einfach, die Stiftung lasse ihn auch im Ruhestand weiter am Stiftungsleben teilhaben. Gerne würde er auch zukünftig die Wohnhäuser der Stiftung in die Ferien begleiten.

 

Zusammenhalt als Herzstück – auch für die Zukunft

Und schliesslich richtet Max seinen Blick auf die Stiftung als Ganzes. «Zurück zu 93 kann man sich nicht mehr wünschen», sagt er. «Aber ich wünsche mir, dass die Stiftung wieder etwas mehr auf die Bewohner eingeht. Manchmal habe ich das Gefühl, das geht etwas verloren.» Wenn eine Institution wachse, verliere sie manchmal etwas von ihrer ursprünglichen Kompaktheit. Umso wichtiger sei der Zusammenhalt. «Wir gehören alle zur Stiftung. Egal ob Buchenhof, Birkenhof oder Gärtnerei – es ist völlig egal. Der Zusammenhalt muss bleiben.»

 

Menschen, die zu Wegbegleitenden wurden

Max spricht auch über die Menschen, die ihn geprägt haben. Viele Betreuer:innen der frühen Jahre seien für ihn Freunde geworden, manche fast Familie. Er nennt Katrin Kürsteiner und Edith Hochstrass aus dem Paradiesli, Konny Albiser aus dem Birkenhof, und natürlich Lisa Schneebli, die ihm damals in der ersten eigenen Wohnung nach dem Birkenhof zur Seite stand. Auch Roger Gerber, «kein Mann der grossen Worte, aber jemand, der immer auf mich geachtet hat», bleibt ihm in bester Erinnerung. Und Cornelia Epprecht, von der er sagt, dass sie sich stets Zeit nehme, auch ohne viele Worte. Besonders wichtig sei ihm auch Astrid Weishaupt, mit der er offen sprechen könne und die ihn ehrlich begleite. Diese Beziehungen, sagt Max, hätten über die Jahre eine Tiefe gewonnen, die er sehr schätze. Max könnte noch viele weitere Menschen aus der Stiftung aufzählen und sagt lachend: «Danke allen für die Unterstützung und die gute Zeit».

 

Ein Jubiläum, das mehr bedeutet als eine Zahl

Als er über sein Jubiläum spricht, beginnen seine Augen zu funkeln: «Für mich bedeutet das etwas. Wer darf schon sagen, er habe 30 Jahre einen Ort mitgeprägt?» Er erzählt von Wertschätzung, die er immer wieder erhalten hat. Seine Entwicklung beschreibt er mit einem feinen Stolz. «Als ich mit 29 Jahren hierherkam, hätte niemand gesagt: Das ist ein selbständiger Mann. Heute bin ich selbständig». Dann hält er kurz inne, bevor er sagt: «Ich schulde der Stiftung viel. Ohne sie wäre ich heute nicht der Mensch, der ich bin. Die Stiftung und die Menschen hier standen hinter mir, auch als ich es nicht merkte.»

 

Severin Kolb, Marketing & Kommunikation 

 

Dieser Beitrag ist im Rahmen des Magazins „Austausch“ zum Thema Mut entstanden. Bestellen kann man den „Austausch“ hier.
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Information zur Wohnunterstützung : SEBE Ambulante Leistungen | Vivazzo Stiftung